Wer bin ich wenn ich online bin


An dieser Stelle möchte ich euch heute ein interessantes Buch von Nicholas Carr vorstellen.  Der Autor ist bereits durch sein viel diskutiertes Essay bekannt geworden “Is Google making us stupid? – What the Internet is doing to our brains“. In dem hier vorgestellten Buch beschreibt er, wie die Technik und das Internet sein Denken und die Lesekompetenz beeinflusst haben. Darüber hinaus gibt er einen Einblick in die Entwicklung des menschlichen  Gehirns.

Das Buch

Das Buch trägt den (langen) Titel: “Wer bin ich, wenn ich online bin und was macht mein Gehirn solange?”. Wie viele andere Leser auch, finde ich den Titel etwas irreführend und unpassend gewählt, da er definitiv ein anderes Thema vermuten lässt. Es geht nicht um Identität(en). Stattdessen ist es eher ein kleines Loblied auf das gute alte Buch und dass wir doch wieder mehr das Papier zum Lesen in die Hände nehmen sollten.

Das uns nicht nur die Inhalte der Medien verändern, sondern die Medien an sich schon unser Handeln und Denken beeinflussen, ist nichts Neues. Jedoch ist die Art und Weise, wie Nicholas Carr seine eigene Geschichte in Bezug auf die Medien erzählt, eine interessante Reise. So berichtet er davon, wie er seinen Weg ins Internet vollzogen hat und wie ihn die Technik fest im Griff hat. Er beschreibt sowohl das Multitasking, als auch die Angewohnheit, sich immer weniger zu merken – es steht ja alles im Internet ;) . Carr beschreibt seine eigenen Konzentrationsprobleme und die Oberflächlichkeit beim Lesen von Texten, die durch moderne Kommunikationsformen ( chatten, SMS, twittern usw.) geprägt sind. Der Autor liefert darüber hinaus historische Hintergrundinformationen von der ersten Papyrusrolle bis hin zur Erfindung des modernen Buchdrucks durch Johannes Guttenberg und natürlich die Entwicklung der elektronischen Werkzeuge.

Fazit

Ich muss ehrlich sagen, dass ein Großteil meiner Meinung über ein Buch, von dem Schreibstil des Autors abhängt. Hier kann Nicholas Carr definitiv punkten, denn er schreibt aus seiner persönlichen Sicht und auf eine leicht verständliche Art und Weise. Dies ist aber bei amerikanischen Werken keine Seltenheit. Er bezieht sowohl den “Klassiker” Marshall McLuhan mit ein, als auch aktuelle Studien und Ergebnisse aus der Forschung. Carr vermischt Erfahrungen aus dem Alltag, mit fundierten Erkenntnissen aus der Welt der Wissenschaft. Ich habe mich an vielen Stellen selbst in dem Buch wiedererkannt und habe daraufhin angefangen, mehr offline zu lesen, um einen Text einfach wieder ausreichend genießen zu können. Es ist jetzt nicht unbedingt ein Buch, was einem bisher noch nie da gewesene Fakten und Ansichten präsentiert. Es sind auch einige Abschnitte etwas langatmig (wie z. B. der Exkurs über die Geschichte des Buchdrucks), aber in der Summe trotzdem sehr lesenswert, besonders wenn man viel im Netz hängt. Es liefert also keine Lösungen für unseren Umgang mit dem Medium Internet, allerdings regt es dazu an, sich selbst ein paar Fragen zu stellen.

Infos zum Buch

Titel: Wer bin ich, wenn ich online bin und was macht mein Gehirn solange? Wie das Internet unser Denken verändert. (Aus dem amerikanischen Englisch übersetzt von Henning Dedekind)

Autor: Nicholas Carr

Verlag: Karl Blessing Verlag (München)

Jahr: 2010

ISBN: 3896674285 und 978-3896674289

Seitenanzahl: 338

 

 

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