Wenn man helfen kann…

Es gibt Tage, da zweifelt man an der Hilfsbereitschaft, Rücksicht, oder sogar der gesamten Gesellschaft. Heute gab es wieder einen kleinen Lichtblick.

Ich war gerade wieder mit dem Auto zurück und dachte mir “Gehst du halt noch eine kleine Runde mit dem Hund”, weil ich Backi eh mitgenommen hatte. Ich schlenderte gemütlich und mir kamen bekannte und unbekannte Gesichter entgegen. Nachdem der Hund sich erleichtert hatte und auch wieder heim wollte, drehten wir um und gingen zurück.

Da sah ich aus der Ferne schon einen umgestürzten Rollator und eine Frau die am Boden lag. Es war eine ältere Dame, die kurz zuvor noch an mir vorbeigegangen war. Zum Glück sah ich schon eine junge Frau bei der gestürzten Dame. Instinktiv zog ich mein Handy aus der Tasche, aber als ich sah, dass die Helferin bereits den Notruf gewählt hatte, konnte ich es wieder verstauen. Da ich nicht wusste, ob noch weitere Hilfe notwendig war, wartete ich einen Augenblick, da die ältere Dame offensichtlich nicht ansprechbar war und die junge Frau war wohl auch froh, nicht allein helfen zu müssen. Zum Glück kam die gestürzte Frau wieder zu Bewusstsein, aber man sah, dass sie sich am Kopf verletzt hatte und es stark blutete.

Ich sagte bescheid, dass ich nur schnell den Hund ins Auto bringen und den Verbandkasten holen würde. Als ich auf dem Weg zurück war, hielt auch schon ein weiteres Auto und eine zweite junge Dame stieg aus, die ebenfalls ihre Hilfe anbot. Während die erste Helferin mit der älteren Dame sprach und ihr die Hand hielt, legte die zweite Helferin eine Jacke unter den Kopf. In der Zeit öffnete ich einige Wundkompressen und hielt sie auf die Kopfwunde. Da wir nicht wussten, ob sie sich sonst noch irgendwo verletzt hatte, wollten wir sie nicht weiter bewegen.

Die ältere Frau erzählte wie ein Wasserfall, dies war wenigstens ein Anzeichen dafür, dass es ihr dem Umstand entsprechend gut ging. So erfuhren wir aber auch, dass sie unter einer Form der leichten Epilepsie leidet und Medikamente nehmen muss. Sie sagte auch den Namen ihres Arztes. Es hörte sich ganz danach an, dass ihr etwas Ähnliches schon mindestens einmal passiert ist. Auf jeden Fall war ihr bewusst, was passiert war.

Wir fragten noch nach ihrem Namen und ob sie irgendwo starke Schmerzen hat. Kurz darauf erschien schon der Krankenwagen. Wir machten Platz und ließen die Sanitäter ihre Arbeit machen. Die erste Helferin gab alle Informationen weiter, die wir von der alten Dame gehört hatten. Etwas grinsen musste ich als sie fragte “Bringen Sie mich jetzt nach hause?” – “Nene, erst einmal geht es in das Krankenhaus. Sie sind hingefallen und haben sich verletzt.” Sie schaute bei der Antwort etwas trotzig und ich hatte den Eindruck, dass sie die Situation doch etwas verwirrt hatte. Wir als Helfer vor Ort sammelten alles wieder ein und verabschiedeten uns von einander.

Das Fazit aus der Geschichte ist, dass ich froh war, dass sich drei Personen gefunden haben, um der gestürzten Dame zu helfen. Auch wenn man nicht sehr viel machen kann, eines ist immer wichtig – einfach da sein, reden und zuhören. Das reicht oft schon aus, um der betreffenden Person das Gefühl von Hilflosigkeit zu nehmen, bis der Rettungswagen eintrifft. Während wir uns Drei um die fremde Dame gekümmert haben, fragten mehrere Passanten, ob weitere Hilfe benötigt wird und ob der Krankenwagen gerufen werden soll. In solchen Momenten glaubt man wieder etwas mehr an das Gute in den Menschen. Zumindest ging es mir so.

Ich für meinen Teil hoffe, dass die alte Dame wieder bald zu Hause und gesund ist.

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