Das Internet – Himmel und Hölle

Es gibt wohl kein anderes Medium, was so sehr polarisiert und die Meinungen spaltet, weil es bereits in nahezu alle Bereiche unseres Lebens vorgedrungen ist. Dies liegt nicht zuletzt daran, dass jeder ein anderes Bild vom Internet im Kopf hat. Fragt man 10 verschiedene Leute, was für sie das Internet ist, so sind auch 10 unterschiedliche Antworten zu erwarten. Wie das Internet wahrgenommen wird, hängt u.a. von verschiedenen Faktoren ab: z. B. Alter, Bildungsstand, Nutzungshäufigkeit oder professionelle Perspektive (Kommunikationswissenschaft, Erziehungswissenschaft, Informatik etc.). Je nachdem, welche Gestalt dieses Medium für den Einzelnen angenommen hat, entwickelt sich eine unterschiedliche Wahrnehmung und damit verbunden sind auch heterogene Erwartungen. Hier wird bereits eine Schwierigkeit sichtbar. Wie soll man sich über einen Gegenstand verständigen, der so unterschiedlich wahrgenommen wird und sich mit einer rasanten Geschwindigkeit ständig verändert?

Der Himmel

Für die eine Gruppe ist es das Allheilmittel für die zukünftigen Anforderungen an uns – ein scheinbar unendlicher Fundus an Informationen, eine Chance auf Partizipation, neue Lernräume und Selbstverwirklichung. Fast das gesamte Wissen der Menschheit ist abrufbar. Es wird immer wieder als gleichbedeutend mit der Erfindung des modernen Buchdrucks durch Johannes Guttenberg beschrieben. Jeder und alles ist irgendwie miteinander verbunden und bildet ein Netzwerk, von dem jeder profitieren kann. Unabhängig von Zeit und Raum, können wir miteinander kommunizieren, Kontakte pflegen und voneinander lernen. Immer mehr Geräte (Smartphones, Fernseher, Radio usw,) haben die Möglichkeit für einen Zugriff auf das Internet und greifen gemeinsam auf eine Vielzahl von Diensten zu. Daten werden nicht mehr nur an einem Ort gelagert, sondern wandern in die Cloud, damit sie von verschiedenen Endgeräten und Personen synchronisiert und bearbeitet werden können.

Die Hölle

Für die Pessimisten ist das Internet alles andere als ein angenehmer Ort. Wir werden dort mit einer Fülle an Informationen überflutet. Programme, Apps, Dienste und Netzwerke sammeln immer mehr Daten von uns und machen uns zum gläsernen Bürger / Verbraucher. Unternehmen wissen besser, was uns gefällt oder uns interessieren könnte, als wir selbst. Immer wieder ließt man von unbefugte Zugriffe oder den Verkauf von Kundendaten und lassen uns an der Sicherheit unserer eigenen Informationen zweifeln. Wir haben uns so an die “mundgerechten” Informationshäppchen gewöhnt, dass es uns zunehmend schwer fällt, uns auf längere und anspruchsvolle Texte einzulassen. Wir begeben und ins eine Abhängigkeit von der Technik, die es bisher so noch nicht gegeben hat. Das Multitasking zerrt an unserer Konzentrationsfähigkeit und wir hasten den Informationen hinterher. Eine Meldung ist just in dem Moment veraltet, in dem sie veröffentlicht wurde. Wer nicht über einen Zugang und eine gewisse Grundkompetenz im Umgang mit dem Internet verfügt, wird in naher Zukunft den Anschluss verlieren.

Fazit

Dies ist nur ein kleiner Auszug von dem, was es an Meinungen und Sichtweisen über dieses Medium gibt. Doch was ist die Wirklichkeit? Beide Welten sind real und in (nahezu) jeder überspitzen Behauptung steckt auch ein Quäntchen Wahrheit. Oft scheinen wir uns über das “Wesen” des Internets im Kreis zu drehen und wir stehen vor dem klassischen Henne-Ei-Problem. Es ist wichtig beide Seiten zu kennen. Die Gefahren dürfen nicht ignoriert werden, aber sie dürfen nicht lähmen, damit auch die Chancen nicht ungenutzt bleiben. Alles was wir benutzen verändert uns und wird von uns verändert – dies trifft auch auf das Internet zu. Diese Erkenntnis ist nicht neu, jedoch sollte sie häufiger wieder in das Bewusstsein gelangen. Was wir mit dem Internet machen, bzw. welchen Einfluss es auf uns ausübt, hängt also auch von unserer Aufklärung ab. Genau diese Aufklärung soll ein Thema dieses Weblogs sein.

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